Chrom(VI) neutralisieren
Was bedeutet Chrom(VI)-Neutralisierung und
kann WD-40 Chrom(VI) tatsächlich neutralisieren?
Kann man Chrom(VI) "neutralisieren"?
Kurz gesagt: Ja, aber nur, wenn mit „neutralisieren“ die chemische Umwandlung von Chrom(VI) in eine weniger problematische Oxidationsstufe wie Chrom(III) gemeint ist.
Chemisch und arbeitsschutzfachlich ist "Neutralisierung" nur eingeschränkt der richtige Begriff.
Chrom(VI) kann durch geeignete Reduktionsmittel chemisch reduziert, insbesondere zu Chrom(III) überführt, und die behandelte Kontamination anschließend von der Oberfläche entfernt werden.
Fachlich treffender sind daher die Begriffe Reduktion und Dekontamination.
Eine solche Behandlung ist eine arbeitsschutzbegleitende Maßnahme zur Verringerung einer möglichen Exposition. Sie stellt keine „absolute Neutralisierung“ dar und ersetzt insbesondere nicht die Gefährdungsbeurteilung sowie die daraus abzuleitenden Schutzmaßnahmen.
Kann man mit WD-40 Chrom(VI) "neutralisieren" bzw. zu Chrom(III) reduzieren?
Kurz gesagt: Nein.
WD-40 ist nicht zur chemischen Reduktion von Chrom(VI) zu Chrom(III) geeignet.
Die Benetzung oder scheinbare Bindung einer Chrom(VI)-haltigen Kontamination darf nicht mit einer chemischen „Neutralisierung“ verwechselt werden.
Entscheidend für eine tatsächliche Reduktion wäre die chemische Umwandlung von Cr(VI) zu Chrom(III) und eine solche Reduktion wird durch die Behandlung mit WD-40 nicht erreicht!
Entgegen einer in Teilen der Industrie verbreiteten Auffassung hat sich der Mythos etabliert, WD-40 könne Chrom(VI) „neutralisieren“.
Zwar können Chrom(VI)-haltige Ablagerungen ggf. leichter von Oberflächen gelöst und abgewischt werden, chemisch bleibt Chrom(VI) dabei jedoch Chrom(VI).
Dieses Tuch ist anschließend als Chrom(VI)-kontaminiert zu betrachten und darf keinesfalls zur weiteren Reinigung wiederverwendet werden. Es muss separat gesammelt und entsprechend seiner abfallrechtlichen Einstufung fachgerecht entsorgt werden, da andernfalls die Kontamination verschleppt und eine zusätzliche Exposition von Mensch und Umwelt verursacht werden kann.
Wie kann Chrom(VI) zu Chrom(III) reduziert werden?
Chrom(VI) kann durch eine gezielte chemische Reduktionsreaktion zu Chrom(III) umgewandelt werden; hierzu werden geeignete Reduktionsmittel (z. B. KavarClean®Redox Powder) eingesetzt, die Elektronen an die sechswertige Chromspezies übertragen.
Das Chrom wird dabei von der Oxidationsstufe +VI in die Oxidationsstufe +III überführt.
Entscheidend ist, dass eine solche Reaktion unter geeigneten chemischen Bedingungen stattfindet. Die Wirksamkeit hängt unter anderem vom eingesetzten Reduktionssystem, dessen Konzentration, dem pH-Wert, der Kontaktzeit sowie von Art und Zugänglichkeit der vorhandenen Chrom(VI)-Verbindung ab.
Eine bloße Benetzung, Ablösung oder Aufnahme von Chrom(VI)-haltigen Rückständen ist keine chemische Reduktion. Von einer Reduktion (ugs. "Neutralisation") kann erst gesprochen werden, wenn tatsächlich eine Umwandlung von Cr(VI) zu Cr(III) stattgefunden hat; die Verwendung von KavarWipe®Dekontaminationstüchern ermöglicht dabei einen länger anhaltenden und gleichmäßigeren Kontakt der Reduktionslösung mit der kontaminierten Oberfläche.
Für die praktische Dekontamination einer Oberfläche ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass die chemische Reduktion das Chrom nicht von der Oberfläche „verschwinden“ lässt. Reduktion und Entfernung sind daher zwei unterschiedliche Schritte: Die chemische Behandlung verändert die Oxidationsstufe; die anschließende kontrollierte Aufnahme und Entfernung der Rückstände dient der eigentlichen Dekontamination der Oberfläche.
Sind flüssige Chrom(VI)-Neutralisierer unbegrenzt haltbar?
Nein.
Bei gebrauchsfertigen flüssigen Chrom(VI)-Reduktionsmitteln kann nicht grundsätzlich von einer unbegrenzten chemischen Stabilität ausgegangen werden.
Reduktionsaktive Bestandteile können während der Lagerung beispielsweise durch Sauerstoff, Licht, Temperatur oder andere Reaktionen verändert bzw. verbraucht werden. Bei verschiedenen Reduktionssystemen sind deshalb begrenzte Lagerstabilitäten oder eine mit der Zeit abnehmende Reduktionswirkung bekannt. Eine sichtbare Verfärbung oder Trübung kann auf Veränderungen einer Lösung hinweisen, erlaubt für sich allein jedoch keine zuverlässige Aussage über die noch vorhandene Reduktionsleistung.
Wie kann Chrom(VI) sicher reduziert und gleichzeitig von kontaminierten Oberflächen entfernt werden, ohne die reduzierende Wirkung zu verlieren?
Mit KavarClean®Redox Powder & Spray und den ebenfalls selbst anzusetzenden KavarWipe®Dekontaminationstüchern verfolgen wir bewusst ein anderes Konzept:
Die aktive Reduktionslösung wird nicht über lange Zeit gebrauchsfertig gelagert, sondern aus KavarClean® Redox Powder erst unmittelbar vor der Anwendung mit Wasser angesetzt.
Damit wird die für die Chrom(VI)-Reduktion vorgesehene Lösung frisch bereitgestellt, anstatt sich auf die langfristige chemische Stabilität einer bereits fertig angemischten Reduktionslösung verlassen zu müssen.
Mit KavarClean® Redox Spray kann die frisch angesetzte Lösung gezielt auf zugängliche kontaminierte Bereiche aufgebracht werden. Für staubbelastete Oberflächen bieten KavarWipe®Dekontaminationstücher einen weitergehenden Ansatz:
Das saugfähige Tuch wird mit der frisch angesetzten Reduktionslösung getränkt und anschließend auf die kontaminierte Oberfläche aufgelegt.
Dadurch steht die Flüssigkeit nicht nur punktuell an der Oberfläche zur Verfügung; das getränkte Tuch bildet ein Flüssigkeitsreservoir mit längerem und gleichmäßigerem Kontakt zur Oberfläche.
Die Flüssigkeit kann sich in Unebenheiten, Spalten und zugänglichen porösen beziehungsweise rauen Oberflächenstrukturen verteilen. Allgemein sind Flüssigkeitstransport und Eindringen in poröse Strukturen durch Benetzung und Kapillarkräfte gut beschrieben.
Diese verlängerte Kontaktzeit und Tiefenbenetzung ist ein wesentlicher Vorteil des KavarWipe®-Verfahrens:
Chrom(VI)-haltiger Staub wird zunächst durch das feuchte Tuch gebunden, während die Reduktionslösung Zeit erhält, auch schwerer zugängliche Kontaminationen zu benetzen.
Anschließend dient dasselbe Tuch der kontrollierten Aufnahme und Entfernung der gelösten beziehungsweise behandelten Rückstände.
Dass angefeuchtete Wischmedien den Übergang von Oberflächenkontaminationen in das Tuch unterstützen können, ist auch aus der Arbeitshygiene bekannt.
Damit verbindet das System frisch angesetzte Reduktionschemie, Staubbindung, Einwirkzeit, Tiefenbenetzung und mechanische Entfernung in einem kontrollierten Dekontaminationsprozess.
Was geschieht mit den verwendeten KavarWipe®Reinigungstüchern nach der Dekontamination?
KavarWipe®Dekontamination endet jedoch nicht mit dem Abwischen:
Die gebrauchten Dekontaminationstücher können an Kavarmat® zurückgesendet werden. Dort werden sie einem weiteren kontrollierten Reduktionsprozess unterzogen und anschließend fachgerecht entsorgt.
Damit umfasst das KavarWipe®-Konzept die gesamte Prozesskette:
Chrom(VI)-Staub binden → chemisch reduzieren → Kontamination aufnehmen → sicher zurückführen → nachbehandeln → fachgerecht entsorgen.



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Gib Chrom(VI) keine Chance!